Wahlkampf in Zeiten von KI
Laut einer aktuellen BR-Studie haben bereits 82 Prozent der 16–69-Jährigen mit Hilfe von KI nach Informationen gesucht.
Was passiert, wenn man eine KI nach Kommunalpolitik fragt?
Dass KI Wahlen (vor allem negativ) beeinflussen kann, ist eine gängige These. Was bewirkt KI aber im Bereich der politischen Willensbildung hinsichtlich Wahlprogrammen und Kandidaten? Konkret gefragt: Wie gut kann mir KI dabei helfen, ungefiltert politische Wahlprogramme und Kandidaten kennenzulernen?
Und damit war ich schon wieder mittendrin im hiesigen Kommunalwahlkampf in Landshut. Ich glaube, dass man die Stadt ganz gut als Beispiel nehmen kann. Ca. 70.000 Einwohner, Regierungshauptstadt von Niederbayern, ziemlich verschuldet. Es geht um konkrete Themen wie: Muss das Theater aufgrund von Geldmangel geschlossen werden? Soll das städtische Schwimmbad saniert oder neu gebaut werden? Welche marode Schule soll als nächste saniert werden?
Die Informationsquellen
In Landshut wird der Stadtrat sowie der Bürgermeister gewählt. Der bisherige Amtsinhaber tritt nicht mehr an. Es wird also auf jeden Fall einen Wechsel geben. Ich gehe bei meinem Experiment davon aus, dass der Wählende noch keine endgültige Präferenz für einen Kandidaten oder eine Partei hat, sondern sich erst informieren möchte.
Bei einer Wahl mit einer Vielzahl an Kandidaten (in Landshut immerhin 10) und mehreren Parteien liegt es nahe, dass Wähler zur Entscheidungsfindung eine gute Übersicht suchen. Und damit sind wir auch schon beim Thema GEO (Generative Engine Optimization). Es geht hier darum, die Inhalte von Websites so aufzubereiten, dass KI-Systeme darauf zugreifen und sie auslesen können. Ziel ist, bei einer Antwort der KI möglichst prominent mit der eigenen Marke oder dem eigenen Programm platziert zu werden.
Um es gleich vorwegzunehmen: Das Ergebnis ist ziemlich ernüchternd.
Ich habe Gemini gefragt: Analysiere die Wahlprogramme der 10 Landshuter OB-Kandidaten (Kommunalwahl 2026). Pro Kandidat 3 zentrale Punkte mit konkreten Maßnahmen.
Heraus kam eine auf den ersten Blick sehr umfassende Aufstellung. Ich habe dann dieselbe Frage perplexity.ai gestellt, weil ich wissen wollte, auf welche Quellen sich die Antworten beziehen. Ergebnis: Ein Großteil der Quellen für die KI-Antwort sind Berichte aus Onlineportalen — nicht die Wahlprogramme der Kandidaten.
Einzig die ÖDP sticht hier heraus; perplexity zitiert ausschließlich von der Website der Partei. Dabei sollte es Parteien und Kandidaten daran gelegen sein, mit ihren eigenen Aussagen, unverfälscht und unkommentiert, zum Wähler durchzudringen. Aktuell scheint das noch nicht zu funktionieren.
Die Probleme
Problem 1: Die Kandidaten und Parteien gehen anscheinend davon aus, dass der Bürger sich ausschließlich auf Facebook und Instagram zur Wahl informieren möchte. Anders ist es nicht zu erklären, dass viele Kandidaten entweder gar keine Websites betreiben oder aktuelle Informationen ausschließlich auf den Meta-Plattformen ausspielen.
Problem 2: Auf den Websites einiger Kandidaten gibt es zwar Wahlprogramme, aber nur versteckt in PDF-Dokumenten oder als JPG (also der für Print bestimmte Flyer). Für Maschinen schlecht auslesbar.
Problem 3: Die vorhandenen Programme sind zum Teil gespickt mit Floskeln und Phrasen. Selten finden sich konkrete Vorschläge.
Problem 4: Einige konkrete Forderungen wurden nur im Rahmen von Offline-Diskussionsforen geäußert. Die Information dazu fand ich wiederum nur in Artikeln der Lokalzeitung, hinter der Paywall.
Was heißt das für die KI-gestützte Suche im Kommunalwahlkampf? Die KI stellt Informationen aus allen ihr zur Verfügung stehenden Quellen zusammen — meistens Online-Portale, selten die eigenen Websites.
Die Kandidaten geben hier ein wichtiges Instrument für ihr Eigenmarketing aus der Hand.
Das kleine Experiment zeigt: Gerade in der Politik sollten wir penibel darauf achten, wie wir Informationen aufbereiten und auf welchen Kanälen wir sie verbreiten. Die eigene Website, spröder Text ohne schickes Layout — das klingt auf den ersten Blick antiquiert. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Je gehaltvoller der Inhalt, je barrierefreier der Zugang, umso eher erscheint das gewünschte Ergebnis auch in KI-Antworten.
Ich habe dann noch eine kleine Übersicht als Website erstellt — kein Wahl-o-Mat, sondern ein „Aussagenfilter” zu politischen Themen, die nur über Kandidatenwebsites und PDF-Programme zu finden sind: